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Yvonne Konietzko  
  
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 


 
 

Störungsbilder

 

Aphasie

Eine Aphasie ist eine Sprachstörung, die meistens durch einen Schlaganfall, ein Schädel-Hirn -Trauma, Hirntumore oder -operationen, sowie durch cerebrale entzündliche Prozesse, wie z.B. Enzephalitis, entsteht. Verletzungen bestimmter Regionen des Gehirns beeinträchtigen die sprachlichen Leistungsbereiche, so dass es zu Störungen im Sprechen, Verstehen, Lesen und/oder Schreiben kommt.

Bei der sogenannten globalen Aphasie sind alle Sprachbereiche betroffen. Je nach Größe und Region des Anfalls sind die vier Sprachmodalitäten oft unterschiedlich schwer betroffen.

 

Artikulationsstörung (Dyslalie)

Mit einer Artikulationsstörung weist man auf eine Störung im Lauterwerb hin. Dieses bedeutet, dass das Kind Schwierigkeiten hat, gewisse Laute korrekt zu bilden oder auszusprechen, wodurch es den Laut durch einen anderen Laut ersetzt oder ihn weglässt (z.B. Tabel statt Kabel oder Bille statt Brille). Wenn gleich mehrere Laute in der Sprache betroffen sind (multiple Dyslalie), kann es dazu führen, dass die Aussprache undeutlich klingt und das Kind in seinem Umfeld schwer verstanden wird.

 

Dysarthrie/Dysarthrophonie

Im Gegensatz zur Aphasie ist Dysarthrie eine Störung in der motorischen Steuerung des Sprechens, die sich meist in Form von undeutlicher oder verwaschener Aussprache und monotoner Sprechmelodie äußert. Hierdurch ist die Verständlichkeit der Sprache oft verschlechtert.

Eine Dysarthrie entsteht oft durch einen Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte, kann aber auch durch unterschiedliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B. Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), auftreten.

 

Laryngektomie

Laryngektomie bedeutet die totale Entfernung des Kehlkopfes nach Kehlkopfkrebs. Folge dieses Eingriffes ist der Verlust der Kehlkopffunktionen, d.h. der Stimmgebung und der Schutzfunktion für die Atemwege. Nach einer Laryngektomie erfolgt die Atmung über ein Tracheostoma am Hals.

Ziel der logopädischen Behandlung ist eine stimmliche Rehabilitation, um die orale Kommunikationsfähigkeit des Patienten so gut wie möglich wieder zu ermöglichen.

 

Lese-Rechtschreibstörung (LRS)

Eine Lese-Rechtschreibstörung oder -schwäche (LRS) wird oft auch Legasthenie genannt. Unter der Störung versteht man eine spezielle, aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallende Schwäche im Erlernen des Lesens und Schreibens bei sonst intakter oder relativ guter Intelligenz. Mögliche Ursachen für Legasthenie können u.a. genetisch bedingte Ursachen, auditive und visuelle Teilleistungsstörungen, eine räumliche Orientierungsstörung, Entwicklungsstörungen des Gehirns infolge frühkindlicher Hirnschädigungen oder eine familiäre Sprachschwäche sein.

 

Myofunktionelle Störungen

Bei einer myofunktionellen Störung liegt eine Dyskoordination der Mundmuskulatur während des Schluckens vor. Anstatt gegen den harten Gaumen zu drücken, presst die Zunge während des Schluckaktes fehlerhaft gegen oder zwischen die Front- oder Backenzähne. Eine myofunktionelle Störung kann u.a. zu Fehlstellungen der Zähne, Deformationen im Knochenwachstum des Kiefers, verspätetem Durchbruch der bleibenden Zähne oder zu Rückfällen nach Zahn- oder Kieferregulierungen führen.

Typische Merkmale einer myofunktionelle Störung sind z.B. eine offene Mundhaltung, verkürzte Oberlippe, vermehrter Speichelfluss, falsches Schluckmuster, hypotoner Körpertonus, "hängendes" Gesicht, sowie eventuelle Artikulationsstörungen. Das Ziel einer myofunktionellen Therapie ist die Wiederherstellung des orofazialen Muskelgleichgewichts und darauf aufbauend der korrekt ablaufende Schluckvorgang.

 

Redeflussstörungen (Stottern, Poltern)

Redeflussstörungen sind Unflüssigkeiten der Sprache, die in Form von Wiederholungen von Wörtern, Silben und Lauten, wie "A-A-Abend" (klonisches Stottern), Dehnungen, wie "A...bend" (tonisches Stottern) sowie Wortaustauschungen und Satzumstellungen (Vermeidungsverhalten) auftreten. Eine Verbindung der beiden Formen bezeichnet man als tonisch-klonisches Stottern. Begleitend kann es zum Anspannen des Körpers, zu Mitbewegungen von Körperteilen, sowie zu emotionalen Begleiterscheinungen oder zum stockenden Atemfluss, kommen.

Stottern ist keine psychische Störung, jedoch, dadurch dass viele Stotterer unter einem ausgeprägten Störungsbewusstsein leiden, kann die Störung zu einem psychischen Leiden führen.

Poltern ist eine dem Stottern ähnliche Sprechablaufstörung mit sehr schnellem Sprechtempo und überhastetem Sprechablauf. Die Sätze werden immer wieder neu angesetzt, einzelne Silben häufig verschluckt und infolge dessen ist die Aussprache dann oft undeutlich und schwer zu verstehen. Anders als beim Stottern, haben die Menschen, die poltern, oft kein sehr ausgeprägtes Störungsbewusstsein.

 

Rhinophonie/Rhinolalie

Bei der Rhinophonie (Näseln) handelt es sich um eine Störung, bei der der Patient den für das Sprechen notwendige Luftstrom nicht richtig lenken kann. Beim geschlossenen Näseln (Rhinophonia clausa) ist die Nase durch Schnupfen, Polypen, vergrößerte Rachenmandeln oder Tumoren verlegt, wodurch die Luft bei den nasalen Lauten (m, n, ng) durch den Mund anstatt durch die Nase entweicht (z.B. Mama=Baba). Beim offenen Näseln (Rhinophonia aperta) dagegen fehlt der Abschluss des Nasenrachenraumes z.B. durch das Vorliegen einer Gaumensegellähmung oder einer Gaumenspalte, wodurch beim Sprechen zu viel Luft durch die Nase entweicht. Alle Laute bekommen deshalb einen nasalen Beiklang.

 

Schluckstörung (Dysphagie)

Eine Schluckstörung beeinträchtigt den normalen Schluckvorgang, wobei die Störung im Bereich der Nahrungsaufnahme, der Nahrungszerkleinerung oder des eigentlichen Schluckvorgangs auftreten kann. Mögliche Ursachen einer Schluckstörung können z.B. ein Schlaganfall, Tumore, Traumen oder Operationen im Mund-, Rachen- oder Kehlkopfbereich, Hirnblutungen, progressive neurologische Erkrankungen (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose u.a.) sowie Demenzerkrankungen sein.

Typische Leitsymptome bei einer Schluckstörung sind verlangsamte Nahrungsaufnahme, erschwertes Schlucken, husten oder würgen beim Essen und Trinken, Steckenbleiben von Nahrungsresten im Halsbereich. Durch das Verschlucken kann bei den Dysphagiepatienten eine Erstickungsgefahr oder/und ein erhöhtes Risiko auf häufige Lungenentzündungen entstehen, was für den Patienten lebensbedrohlich sein kann.

 

Sprachentwicklungsverzögerung oder -störung

Beim Sprechenlernen ist es völlig normal, dass das Kind nicht sofort alle Wort- und Satzkonstruktionen richtig bildet. Mit vier bis fünf Jahren sollte es jedoch übliche Sätze in grammatikalisch richtiger Form sprechen können. Unterscheidet sich das Sprachverständnis, der Umfang des Wortschatzes, die Satzbildung oder die Grammatik eines Kindes deutlich erkennbar von der seiner Altersgruppe, spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung.

Da eine Sprachentwicklungsstörung häufig ein erhöhtes Risiko für spätere Lernschwierigkeiten oder für eine Lese-Rechtschreibschwäche birgt, ist es sehr wichtig, möglichst früh eine/n Logopädin/en zu konsultieren oder mit einer logopädischen Therapie zu beginnen, wenn ein Verdacht auf eine Sprachentwicklungsstörung besteht.

 

Sprechapraxie

Sprechapraxie ist eine Störung in der Planung und Durchführung von Sprechbewegungen. Der Patient weiß, was er sagen will, aber die Leistung scheitert an der Steuerung der Sprechmotorik, so dass der Patient oft Fehler in der Artikulation und Aussprache macht, wodurch seine Ausdrücke oft schwer oder gar nicht verständlich sind.

Eine Sprechapraxie entsteht oft durch einen Schlaganfall und tritt häufig im Zusammenhang mit einer Aphasie auf.

 

Stimmstörungen (Dysphonien)

Stimmstörungen zeichnen sich durch eine fehlerhafte Stimmbildung aus und können durch Erkrankungen oder funktionelle Störungen des Kehlkopfes, insbesondere der Stimmlippen, verursacht werden. Hauptmerkmal einer Stimmstörung ist eine nicht mehr leistungsfähige Stimme. Typische Symptome für eine Stimmstörung sind Heiserkeit, Sprechanstrengung, Räusperzwang, Atemstörung, Enge- oder Fremdkörpergefühl im Hals und Kehlkopf, Verlust der Kontrolle der Sprechstimmlage und/oder Schluckbeschwerden.

In der Diagnostik unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Stimmstörungen, je nach Ursache der Störung:

  1. Funktionelle Dysphonie (eine Fehlbelastung des Sprechapparats ohne organische Änderungen auf den Stimmbänden)
  2. organische Dysphonie (Kehlkopferkrankungen, wie z.B. Stimmbandknötchen, -ödemen, -polypen, -tumoren, Stimmbandlähmungen)
  3. psychogene Dysphonie (wird oft durch psychische Belastungen oder Stresssituationen ausgelöst und kann in Form einer Stimmstörung oder einer Stimmlosigkeit auftreten)
  4. hormonelle Dysphonie (beruhen auf pathologischen Veränderungen des Hormonhaushaltes und können u.a. die Stimmhöhe, den Stimmklang und den Stimmumfang beeinträchtigen)

 

Zentrale Hörstörung

Die Schwerhörigkeit ist eine Minderung des normalen Hörvermögens, die die Sprache oder die Sprachentwicklung in unterschiedlichem Maß beeinträchtigen kann. Eine zentrale Hörstörung oder Schwerhörigkeit spiegelt sich oft als eine Artikulations- und/oder Stimmstörung wider, die durch eine fehlende Rückkopplung entsteht. Auditive Merkmale bei einer Schwerhörigkeit sind z.B. undeutliche Artikulation, veränderter Stimmklang und fehlende Lautstärkeregulierung. Bei Kindern tritt oft eine Sprachentwicklungsverzögerung im Zusammenhang mit einer zentralen Hörstörung auf.